Präsentation:         17.9. - 15.10.2005


 
ein Projekt von: Dieter Lutsch, Anja Gerecke,
Silvia Lorenz, Stefan Rummel, Peter Müller,
Olf Kreisel, Wolfgang Krause
 

Presse: TAZ vom Freitag den 23.09.2005 (web):
 
In den Fenstern zur Straße
Ecke Kastanienallee / Oderberger Straße zeigt sich das Kunstprojekt "Daheim"

Lange vor den traditionellen stadtweiten Schwibbogen-, Weihnachtsmann- und Lichterketteninstallationen an den Fenstern hat eine Gruppe internationaler Künstler das Fenster zur Straße zum Guckkasten ausgebaut. Im Rahmen des Projektes "Daheim" (www.daheim-berlin.de) wird jedes Zimmer des Eckhauses Kastanienallee/Oderberger Straße mit einer bestimmten Biografie bespielt.
Tagsüber etwa sieht man im zweiten Stock zwei Mädchen (Bettina Lidzba und Marie-Luise Birkholz) am offenen Fenster lernen. Aus dem Zimmer daneben - das Fenster ist verstellt von einem großen Schäferhund - dringt Volksmusik. Hier sind die Großeltern eingesperrt, die ihren zwei halbwüchsigen Enkeln den Aufenthalt in der Szenemeile finanzieren, sich selbst aber nicht ins laute Berlin hinaustrauen.
Aus der Wohnung schräg darunter ragen Entlüftungsschläuche auf die Straße; im Zimmer sieht man einen Mann mit Gasmaske herumhantieren. Seinen Gegenpart hat Experimentator Johannes Brechter im vierten Stock auf der Seite der Oderberger Straße. Leander Hörmann setzt da Gurken unter Starkstrom. Er hat auch seine Fledermaus zur "Lasermaus" gemacht und ihr ein Laserzielsuchgerät implantiert. Man sieht den roten Punkt durchs Zimmer wandern.
Im Stockwerk darunter wird es vor allem nach Sonnenuntergang lebendig. An die Zimmerdecke wirft Peter Müller Schattenspiele von essenden und Karten spielenden Menschen. Aus dem zweiten Stock dröhnen zuweilen Flugzeugmotoren. Stefan Lammel, einst in Tegel ansässig, hat sich vor lauter Zorn über die Einflugschneise ein Flugzeug eingefangen und nach Prenzlauer Berg entführt. Hier hält er es als hassgeliebtes Haustier.
Im ersten Stock schließlich hat sich "Hausbesitzer" Wolfgang Krause eingerichtet. Der Ex-Galerist und Projektentwickler aus der Oderberger Straße, der auch Spiritus Rector von "Daheim" ist, hat sich die Biografie eines Schweizer Immobilienmaklers zugelegt, der auch in Kunst - und Kunststudentinnen, aber nur Malerei! - macht. Die Schweizer Fahne vor dem Fenster und das große Bild an der Wand sind die Attribute dieses Lebens.
Abends sieht man die Bewohner im grün gestrichenen Erkerzimmer im ersten Stock Fußball spielen. Manchmal steuern sie vom Haus aus per Funk auch Spielzeugautos auf der Straße oder laufen in Schlafanzügen rückwärts. Am Samstag ist eine Fassadenerkletterung geplant. Die Zwischennutzung geht bis zum 8. Oktober.
Von Tom Mustroph

 
<<< zurück